Auch in diesem Jahr hat die Initiative Nachrichtenaufklärung, deren geschäftsführender Vorsitzender ich bin, wieder ihre jährlichen Top Ten der Vergessenen Nachrichten veröffentlicht.
Viele wichtige Themen sind im vergangenen Jahr in den Medien zu wenig oder gar nicht vorgekommen. Grund dafür sind Dauerbrenner-Themen, die anderen Themen keinen Platz auf der Bühne überlassen. Auch die Aufmerksamkeit des Publikums hat sich stark auf die „Breaking News“ beschränkt. Aus diesem Grund veröffentlicht die Initiative Nachrichtenaufklärung in Kooperation mit der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks einmal im Jahr eine Liste mit zehn relevanten Themen, die im vergangenen Jahr keine oder kaum Erwähnung gefunden haben und stellvertretend für viele andere vergessene Themen stehen.
Das vergessene Topthema Nummer 1 ist nach Ansicht der Jury aus Wissenschaftlern und Journalistinnen die Rolle deutscher Rüstungsexporte im Zusammenhang mit Kindersoldaten. Trotz internationaler Abkommen und moralischer Bedenken werden deutsche Waffen in Konfliktgebieten eingesetzt, in denen Minderjährige als Kämpfer rekrutiert werden. Doch in den Medien bleibt diese Verbindung weitgehend unbeachtet.
Auf Platz 2 der Liste steht die Situation im Flüchtlingslager Samos. Die katastrophalen Lebensbedingungen auf der griechischen Insel, die Missstände bei der Versorgung der Geflüchteten und die unzureichende Reaktion der EU haben es nur selten in die Berichterstattung geschafft.
Den dritten Platz belegt das Verbot von Menschenrechtsorganisationen in Äthiopien. Die Einschränkung zivilgesellschaftlicher Organisationen und ihre Auswirkungen auf Menschenrechte und Demokratie in dem ostafrikanischen Land blieben in der deutschen Berichterstattung nahezu unsichtbar.
Weitere vergessene Themen sind die zunehmende Zahl obdachloser Menschen trotz fester Anstellung, politische Einflussnahme durch die Verlagerung der Entscheidungsbefugnis von Gerichten auf Vorgesetzte im Beamtenrecht, Bildungsungerechtigkeit für Pflege- und Heimkinder, die wachsende Zahl schwerer Arbeitsunfälle trotz sinkender Todesfälle, Risiko medizinischer Fehleinschätzungen bei Menschen mit Migrationshintergrund, die unaufgearbeitete Geschichte der DDR-Vertragsarbeiter aus Mosambik sowie die sogenannte „Erdrosselungsgrenze“ im Steuerrecht – ein juristisches Prinzip, das verhindern soll, dass Steuerlasten in existenzbedrohender Weise wirken.
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